Aktivitäten, News 2006
Dieser Bericht erschien auch im ECDL News 2/2006

Ausbildung mit Mehrwert
Drei innovative Unternehmen gehen neue Wege in der Lehrlingsausbildung.
"Wir wollen dem Lehrberuf neue Impulse geben, sein Image verbessern und ihn attraktiver machen", begründet Ing. Michael Frauscher, Geschäftsführer der Bootswerft Frauscher GmbH & Co KG in Gmunden, sein Engagement an dem Pilotprojekt "Lehre Plus". Gemeinsam mit zwei weiteren oberösterreichischen Unternehmen – der Schlosserei Seewald Metallbau KG und der SFK-Tischlerei GmbH - bildet die Bootsbaufirma Lehrlinge zu hoch qualifizierten Facharbeitern und Führungskräften aus. Die Lehrlinge lernen drei Jahre Bootsbau. Parallel dazu schnuppern sie in die Tischler- und Schlosserlehre hinein. Zusätzlich erhalten sie umfassende Qualifikationen in den Bereichen Englisch, BWL und Computer mit Schwerpunkt CAD (Computer Aided Design). Bootsbauchef Michael Frauscher sprach mit ECDL News über sein Projekt und die neue Lehrlingsausbildung.
ECDL News: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, "Lehre PLUS" zu initiieren?
Frauscher: Wir sind ein Betrieb mit 30 Mitarbeitern und können als einzelnes Unternehmen unseren Lehrlingen keine umfassende Zusatzausbildung bieten. Drei Betriebe können das schon. Wir haben uns deshalb zusammengetan und überlegt, wie wir gemeinsam aus unseren Lehrlingen künftige Führungskräfte für das mittlere Management machen können.
ECDL News: Warum setzen Sie auf Zusatzqualifikationen?
Frauscher: Es werden nur jene Karriere machen, die sich weiter entwickeln und Zusatzausbildungen vorweisen können. Dazu gehören umfassende PC-Kenntnisse. Heute entwerfen wir bereits überwiegend am Computer. In Zukunft kommt das noch viel stärker. Wenn ich denke, dass ich vor fünf Jahren keinen PC einschalten konnte - das war auch nicht notwendig - und heute arbeite ich mit drei Bildschirmen. Die Entwicklung schreitet rasant voran.
ECDL News: Wie viele Lehrlinge nehmen Sie auf? Gibt es eine Aufnahmeprüfung?
Frauscher: Wir haben 5 Burschen ausgewählt, die beste Voraussetzungen mitbringen. Aufnahmeprüfung gibt es keine, das persönliche Gespräch ist entscheidend.
ECDL News: Haben sich keine Mädchen gemeldet?
Frauscher: Nein, leider nicht.
ECDL News: Teil der Ausbildung ist der ECDL CAD, den die Lehrlinge im zweiten Lehrjahr absolvieren. Wozu brauchen Bootsbauer CAD Kenntnisse?
Frauscher: Wir entwickeln neue Segel-, Elektro- und Motoryachten. Heute arbeiten Bootsbauer mit Architekturbüros zusammen und müssen die Entwürfe lesen können. Dazu ist CAD Wissen unbedingt notwendig. Das hat sich geändert. Vor wenigen Jahren haben wir noch Bootmodelle mit der Hand entworfen. Heute sehen wir das Boot am Bildschirm. Kurz gesagt, die Entwicklung geht von der Hand zum Auge.
ECDL News: Warum machen die Lehrlinge gerade den ECDL CAD?
Frauscher: Das war eine Empfehlung vom Technologiezentrum. Der ECDL CAD beinhaltet genau den Stoff, den wir brauchen. Außerdem ist er ein international anerkanntes Zertifikat.
ECDL News: Befürchten Sie nicht, dass Ihre gut ausgebildeten Lehrlinge nach der Lehre von anderen Betrieben abgeworben werden?
Frauscher: Nein, die gehen nur weg, wenn wir zu wenig bieten. Andererseits wenn die gut ausgebildeten Lehrlinge später für unsere Zulieferfirmen arbeiten, profitieren wir ja auch davon.
Kontakt
Bootswerft Frauscher GmbH & Co KG
Traunsteinstr. 10-14
4810 Gmunden
Tel.: 07612/72256
E-Mail: frauscher@bootswerft.at
URL: www.bootswerft.at
Eva Mandl




