Aktivitäten, News 2007
Barrierearm zum Zertifikat
Die
Tests für alle sieben ECDL Core Module sind ab sofort barrierearm. Das
bedeutet, dass sie auch von Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie seh-, gehör- und lernbehinderten Menschen problemlos verstanden
werden.
Für die Adaption der Tests und Lernmaterialien ist OCG Mitarbeiterin Gabriele Flicker verantwortlich. ECDL News hat die engagierte ehemalige Informatik-Lehrerin befragt, wie es ihr bei der barrierearmen Formulierung der ECDL Prüfungsfragen ergangen ist.
ECDL News: Was ist neu an den Prüfungsfragen?
Flicker: Die Formulierungen sind einfach, aber eindeutig. Die Sätze gestrafft, unnötige Details und Fremdwörter haben wir weggelassen.
ECDL News: Eine wesentliche Änderung ist die einfache Sprache. Für wen ist sie besonders wichtig?
Flicker: Für gehörbehinderte Menschen, die oft ein eingeschränktes Sprachvermögen haben. Wenn jemand von Geburt an nichts hört, lernt er Deutsch nicht wie eine Muttersprache, sondern wie eine Fremdsprache. Manche haben ein eingeschränktes Vokabular und Schwierigkeiten mit komplexen Sätzen. Im Extremfall können sie keine richtigen Sätze formulieren und verstehen. Andere wieder kommunizieren in einer einfachen Sprache und an die wenden wir uns. An diese haben wir die Tests angepasst.
ECDL News: Gibt es spezielle Tests für unterschiedliche Behinderungen?
Flicker: Nein. Ein Test für Gehör-, Seh-, Lern-, motorisch und Nicht-Behinderte. Wir wollten eine Standardlösung für alle. Die Tests sind nicht barrierefrei, sondern möglichst barrierearm.
ECDL News: Was verstehen Sie unter „barrierearm“ genau?
Flicker: Dass die Tests in einfacher Sprache nicht nur Menschen mit Behinderungen helfen, sondern allen ECDL Kandidaten - zum Beispiel jenen mit nicht deutscher Muttersprache oder Leuten, die in Prüfungssituationen großen Stress entwickeln oder einfach Prüfungssituationen nicht so gewohnt sind.
ECDL News: Woher wissen Sie, womit Menschen mit besonderen Bedürfnissen Schwierigkeiten haben?
Flicker: Mich haben Experten, die selbst betroffen sind, unterstützt. Eine große Hilfe war mir Barbara Brozka, eine hörbehinderte ECDL Absolventin, die auch ECDL Trainerin ist. Sie hat die Tests durchgearbeitet und Verbesserungen vorgeschlagen. Auf viele Schwierigkeiten, die Menschen mit Behinderungen haben, wurde ich dadurch erst aufmerksam. Gehörbehinderte Menschen haben zum Beispiel Probleme mit dem Genetiv. Deshalb haben wir den zweiten Fall umschrieben. Statt „die Daten der Kunden“ heißt es jetzt „die Daten von den Kunden.“
ECDL News: Welche Anforderungen haben sehbehinderte Menschen?
Flicker: Sie bekommen Grafiken und Bilder als Textangaben, die wiederum über einen Screenreader auf die Braillezeile gelangen. Das ist ein Ausgabegerät – ähnlich einer Tastatur -, auf der die Zeichen in Blindenschrift nacheinander abgetastet werden. Bei simplen Texten funktioniert das gut. Mit Tabellen und Formatierungen ist das Gerät oft überfordert und gibt sehr verwirrende Informationen wieder. Noch dazu gibt es verschiedene Screenreader sowie Braillezeilen und die wieder in unterschiedlichen Versionen. Es war eine Herausforderung, eine barrierearme Standardlösung zu finden.
ECDL News: Wie kommen die adaptierten Tests an?
Flicker: Positive Rückmeldungen zeigen, dass uns das Projekt gelungen ist. Prüfer bestätigen, dass Kandidaten weniger Fragen stellen, weil die Testfragen noch einfacher formuliert sind.
Eva Mandl




